Donnerstag, 27. Januar 2011
(Sächsische Zeitung)

OBERSEIFERSDORF

Solaranlagen sind keine Gefahr für Feuerwehr

Von Thomas Zenker

Mike Poblenz (2.v.re.) erklärt Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Mittelherwigsdorf eine Solaranlage.Foto: Matthias Weber

Mike Poblenz ist verärgert. Von mehreren Seiten sieht er derzeit Probleme auf seine Firma zukommen. Der junge Heizungstechniker hat sich 2004 selbstständig gemacht. Mit seiner Firma vertreibt und montiert er Module für so genannte Photovoltaikanlagen, mit denen Solarstrom gewonnen wird. Nach einem schwierigen Start sind die vergangenen Jahre für Poblenz sehr gut gelaufen.

Jedoch mehren sich im Moment kritische Stimmen. Die Technik sei ein Problem für die Feuerwehrleute, wenn ein Brand gelöscht werden müsse, weil dauerhaft Strom produziert werde und unter Umständen die großen Module komplett vom Dach fallen könnten (die SZ berichtete).

Diese Aussagen sieht der junge Solartechniker als Gefahr fürs Geschäft und geht in die Offensive: Er bietet den Feuerwehren in der Umgebung an, die Technik vorzustellen und erläutert, was bei starker Hitzeentwicklung geschieht. Die Wehren in Großhennersdorf, Mittelherwigsdorf und Olbersdorf haben schon ihr Interesse angemeldet. „Wir haben im Ort relativ viele und große Photovoltaikanlagen“, sagt Ralf Weinhold, Wehrleiter der Großhennersdorfer. „Da ist es wichtig, die markanten Punkte einer solchen Anlage zu kennen.“

Mike Poblenz montiert an seine Module prinzipiell einen Abrutschschutz aus Edelstahl, der bei Hitze nicht schmilzt. „Das ist eine Lösung, die es schon ewig gibt“, sagt er. „Da fällt keinem Feuerwehrmann was auf den Kopf.“ Dass die Module dauerhaft unter Strom stünden erklärt er für Unsinn: „Bei großer Hitze schmelzen die Leitungsanschlusskästen aus Plastik zuerst weg“, erklärt er. Ohne die fließe auch kein Strom.

„Selbst wenn“, sagt Rolf Faltin, stellvertretender Kreisbrandmeister in Zittau. „Eine geschulte Feuerwehr weiß, welche Sicherheitsabstände einzuhalten sind.“ Er hält die Debatte für zugespitzt und begrüßt die Initiative des Mittelherwigsdorfers. „Die Kameraden lernen etwas und der Anbieter der Technik bekommt von ihnen Hinweise.“ Eine gesetzliche Regelung stehe zwar aus, aber Faltin sieht gute Ansätze. Die „Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes“ hat ein Merkblatt für Einsätze an Photovoltaik-Anlagen herausgegeben, dass auf dem Stand der Technik sei.

Kunden haben Angst

Poblenz hat jedoch schon Kunden verloren, die aus Angst, dass die Feuerwehr im Brandfall nicht löschen kann, vom Auftrag zurückgetreten sind. Der stellvertretende Wehrleiter von Mittelherwigsdorf, Rico Heine, versteht den Ärger des Unternehmers und findet die Argumente lächerlich. „Nur schlecht informierte Feuerwehren sehen so große Gefahr in der Photovoltaik. Hier wird übertrieben“, sagt er. Deshalb haben sich die Mittelherwigsdorfer auch schon von ihrem Nachbarn informieren lassen.

Poblenz leistet außerdem Überzeugungsarbeit bei seinen Kunden. Er bittet sie, einen Plan der Anlage im Eingangsbereich ihrer Häuser aufzuhängen. „Es ist doch schon viel geholfen, wenn die Feuerwehr weiß, wie die Kabel liegen“, sagt er.

Seit vergangener Woche kommt eine weitere Herausforderung auf den Unternehmer zu: Die Bundesregierung will die Kürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom auf den Juli 2011 vorziehen, denn die Branche wächst sehr schnell.

Mike Poblenz bleibt dennoch optimistisch: „Das ist einfach eine zukunftsträchtige Technologie und bringt Kunden wie Firmen Profit.“ Dass dieser von allen Verbrauchern gesponsert wird, sieht er nicht als Problem. „Die großen Stromkonzerne erhöhen seit Jahren die Preise und machen Rekordumsätze“, sagt er. „Da sollen wir Kleinen Schuld an den hohen Strompreisen haben?“

Aktualisiert (Samstag, den 29. Januar 2011 um 13:32 Uhr)

 
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